Lehrveranstaltungen

Lehrveranstaltungen der Alten Geschichte

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2025

  • Christoph Michels: Von Alexander bis Kleopatra: Geschichte des Hellenismus

    Aus dem kurzlebigen Weltreich Alexanders III. von Makedonien, des Großen, wie er später genannt werden sollte, ging nach den blutigen Jahrzehnten der Diadochenkriege eine multi-polare Staatenwelt hervor. Diese war von makedonischen Großreichen sowie diversen Mittelmächten geprägt, zu denen auch die griechischen Städtebünde gehörten. Während diese Welt mit der Expansion Roms und dem Ende des letzten Großreichs der Ptoemäer unter Kleopatra VII. politisch schließlich ein Ende fand, wirkten die intensiven kulturellen Phänomene dieses „modernen“ Zeitalters mit einer zunehmenden Globalisierung ungebrochen weiter. Die Vorlesung wird einen Überblick über diese ereignisreiche Epoche geben und an ausgewählten Beispielen politische wie kulturelle Phänomene besprechen.
  • Jan-Markus Kötter: Die athenische Demokartie

    In der griechischen Polis Athen entwickelte sich im fünften Jahrhundert v. Chr. schrittweise die sogenannte „Attische Demokratie“ – eine neuartige Form der Volksherrschaft, die nicht nur die Geschichte des antiken Griechenlands nachhaltig prägte, sondern (in ihrer Rezeption) auch die europäische Geistesgeschichte insgesamt beeinflusste. Die Vorlesung bietet einen umfassenden Überblick über die sozialen, politischen und kulturellen Grundlagen dieser Demokratie, über ihre Entwicklung, ihre Blütezeit sowie ihre Krisen. Dabei werden sowohl Institutionen und Funktionsweisen als auch die politische Kultur des klassischen Athens beleuchtet. 

Im Sommersemester 2025 werden keine Einführungsveranstaltungen angeboten.

  • Forschungsprobleme der Alten Geschichte

    Das Kolloqium der Alten Geschichte findet Dienstags von 18-20 Uhr statt.
  • Jan-Markus Kötter: Phönizier, Griechen, Römer. Karthago und seine Nachbarn

Von seiner mythischen Gründung durch eine phönizische Prinzessin im 9. Jahrhundert v. Chr. bis zur Zerstörung im Jahr 146 v. Chr. war das nordafrikanische Karthago eine der zentralen Mächte im Mittelmeerraum. Obwohl sich von Karthagos eigener Sicht auf seine Geschichte nur wenige Spuren erhalten haben, verdanken wir den vielfältigen Kontakten der Stadt zu benachbarten Völkern und Städten eine Fülle an Informationen – v. a. aus griechischer und römischer Perspektive. Somit stehen wir vor einer Überlieferung, die zwar ausreichend dicht ist, die zugleich aber eine ganze Reihe an beachtenswerten Spezifika, erklärungsbedürftigen Auffälligkeiten und handfesten Problemen aufweist. Karthagos Verhältnis zu seinen Nachbarn und die Quellenberichte dieser Nachbarn über Karthago bieten sich daher an, um die Methoden und Techniken kritischen geschichtswissenschaftlichen Arbeitens im Rahmen des Hauptseminars zu vertiefen. 

  • Christoph Michels: Antiochos III. der Große und seine Zeit

    Die Herrschaftszeit Antiochos’ III. (222–187 v. Chr.) eines der bedeutendsten Könige des Seleukidenreiches, war von großen Umbrüchen geprägt. Antiochos konnte zwar zunächst im Osten die verloren gegangene Herrschaft in Zentralasien wiedererrichten und besiegte im 5. Syrischen Krieg die Ptolemäer, unterlag dann aber entscheidend den Römern im Westen. Seine ereignisreiche Herrschaftszeit ist daher besonders geeignet, die Strukturen seines multi-kulturellen Imperiums zu analysieren, wie auch das Vorgehen seiner Alliierten und Gegner, nicht zuletzt der Römischen Republik. Um sich diesen sehr verschiedenen Dimensionen zu nähren werden wir im Hauptseminar mit literarischen ebenso wie mit epigraphischen, numismatischen und archäologischen Quellen arbeiten.

Im Sommersemester 2025 werden keine Proseminare angeboten.

  • Sven Martini: Der Irre mit der Fiedel? Kaiser Nero und das Bild des letzten julisch-claudischen Herrschers

Diese Lehrveranstaltung beschäftigt sich mit dem Leben und der Herrschaft Kaiser Neros  (54–68 n. Chr.) im Kontext des römischen Kaiserreichs. Die Studierenden werden sich mit 

Quellen unterschiedlicher Art und moderner Forschung beschäftigen, um ein Bild von Neros Herrschaft sowie den Kontroversen und Mythen zu gewinnen, die ihn bis heute umgeben. Dabei soll ein kritischer Blick auf antike Darstellungen seiner Persönlichkeit geworfen werden, die bis in die Moderne rezipiert wurden. Die Sitzungen der Veranstaltung werden begleitet von der Auseinandersetzung mit jeweils selbstständig vorzubereitenden Quellen unterschiedlicher Art und Gattung sowie modernen Texten. Vorausgesetzt ist hierfür ein Grundwissen zur Propädeutik der Alten Geschichte, das in den Proseminaren vermittelt wurde. Voraussetzung für das erfolgreiche Bestehen der Veranstaltung sind regelmäßige Beteiligung sowie ggf. Vor- und Nachbereitung der Sitzungen in Form von Hausaufgaben. Die Lektüre englischsprachiger Texte wird vorausgesetzt. 

  • Christoph Michels: Polybios und der Aufstieg Roms

Das monumentale Geschichtswerk des Polybios von Megalopolis (ca. 200-120 v.Chr.) ist die mit Abstand wichtigste literarische Quelle für die mediterrane Geschichte des 3. und 2. vorchristlichen Jahrhunderts. Die Historien gewinnen ihre Bedeutung jedoch nicht nur aus ihrem primären Gegenstand, dem Aufstieg Roms zur Weltmacht, sondern auch dem von Polybios konstatierten Ineinanderfließen der Geschichte des westlichen und östlichen Mittelmeerraums, was Polybios dazu bewog, eine Universalgeschichte zu schreiben. Die Übung soll auf Basis des polybianischen Geschichtswerkes – unter Heranziehung anderer antiker Quellen – Charakteristika, Gefahren und Möglichkeiten griechischer Historiographie behandeln.

    • Gregor Kirilov: Gesellschaftliche Spiegel- und Gegenbilder in der Archaik und Klassik

      Menschen leben innerhalb von Gesellschaften und haben zumeist auch eine Vorstellung oder gewisse Ahnung davon, was es bedeutet, Teil einer Gesellschaft zu sein. Sie haben Vorstellungen davon, welche Regeln für das Zusammenleben gelten oder welche Regeln gelten sollten. In verschiedenen literarischen Quellen finden sich (fiktive) Bilder, in denen sich diese Ahnungen und Vorstellungen manifestieren. Im Rahmen dieses Seminars werden wir eine repräsentative Auswahl dieser Bilder gemeinsam lesen, analysieren und diskutieren. Die Quellen werden aus einer breiten Palette von Genres stammen: Epos, Tragödie, Komödie, Dialog, Historiographie, Wissenschaftsprosa, Leichenrede. Wir werden innerhalb dieser Quellen-Genres imaginierte Vergangenheiten, gesellschaftliche Gegenentwürfe, Kulturentstehungstheorien und politische Modelle untersuchen. Zeitlich wird das Seminar mit dem archaischen Quellenmaterial beginnen und dann den Fokus auf die Klassik in Athen legen. Hierbei werden wir gemeinsam die Hintergründe, vor denen diese Texte jeweils entstanden sind, erarbeiten und (hoffentlich) nachvollziehen können, warum sich eben diese Gesellschaftsbilder im Athen des 5. und 4. Jhd. ante herausgebildet haben. 
    • Markus Leiber: Attische Gerichtsreden

    Den Athenern des 5. und 4. Jh. v. Chr. wurde schon in der Antike sprichwörtlich nachgesagt einander fortwährend vor Gericht zu zerren. Und tatsächlich ist die Belegdichte für Gerichtsprozesse im klassischen Athen außerordentlich hoch. Für die althistorische Forschung ist dies ein Glücksfall, da ein Teil der in diesen Prozessen gehaltenen Reden publiziert wurde und so der Nachwelt erhalten blieb. Diese Reden bieten nicht nur einen einzigartigen Einblick in die Sozial- und Rechtsgeschichte Athens, sondern auch in die politischen Ereignisse dieser Zeit. 

    Anhand der gemeinsamen Lektüre und Analyse ausgewählter Gerichtsreden (in Übersetzung) soll gemeinschaftlich ein Einblick in die Lebenswelt der attischen Gesellschaft des 5. und. 4. Jh. v. Chr. erarbeitet werden. 

    • Markus Leiber: Exklusion im antiken Rom

    Die Ausbildung und Stabilisierung von Gruppenidentitäten durch Ab- und Ausgrenzung von ‚Anderen‘ scheint ein Grundphänomen aller Gesellschaften zu sein, wobei auch die römischen Antike keine Ausnahme darstellt. Die Gründe für die Exklusion des ‚Anderen‘ sind dabei vielfältig; sie reichen von der geographischen oder sozialen Herkunft, über Geschlecht, Alter, Religion, Sprache, hin zu körperlicher oder geistiger Behinderung.

    Die Übung geht der Frage nach, welche Exklusionsphänomene in den Quellen greifbar sind, wie diese legitimiert werden, welche Auswirkungen sie auf die Exkludierten hatten, aber auch, wie sie die Identität der Inkludierten formierten und stabilisierten.

    • Jan Timmer: Ciceros Rede pro Plancio

    Im Jahre 54 v.Chr. verteidigte Cicero Cn. Plancius, nachdem ein bei den Wahlen zur Ädilität unterlegener Konkurrent – M. Iuventius Laterensis – diesen nach der lex Licinia de sodaliciis wegen unlauterer Methoden im Wahlkampf verklagt hatte. Die vollständig erhaltene Rede bietet einen Einblick in die Umgangsformen innerhalb der Senatsaristokratie, die Rolle von Freundschaften und Verpflichtungen, den Aufbau von Gerichtsverfahren, und sie ist eine der wichtigsten Quellen zur Rekonstruktion von Wahlkämpfen in der späten römischen Republik.

    • Jan Timmer: Hippokrates und das Corpus Hippocraticum

      Über das Leben des Hippokrates von Kos ist wenig sicheres bekannt. Geboren ca. 460 v.Chr. auf der Insel Kos, stammte er aus einer Ärztefamilie und ergriff den Beruf seines Vaters. Auf Kos gründete er eine Ärzteschule und galt schon zu Lebzeiten als einer der bedeutendsten Vertreter seiner Zunft. Die zahlreichen Texte, die unter seinem Namen überliefert sind, sind Zeugnisse für einen tiefgreifenden Wandel der Medizin im 5. Jh. v.Chr. In der Veranstaltung sollen ausgewählte Schriften gelesen und interpretiert werden.
    • Jan-Markus Kötter: Epigraphik in der römischen Republik

    Forschung und Lehre zur lateinischen Epigraphik widmen sich traditionell vor allem den Inschriften der römischen Kaiserzeit, während die frühere republikanische Epoche oft nur am Rande berücksichtigt wird (so auch in der unten genannten Einführungsliteratur). Diese Schwerpunktsetzung ist durchaus verständlich, da der Großteil der erhaltenen Inschriften aus der Kaiserzeit stammt und sich der sog. ‚epigraphic habit‘ erst jetzt voll ausbildete. Republikanische Inschriften wirken vor diesem Hintergrund formal oft weniger ausgefeilt und inhaltlich mitunter nicht sonderlich interessant. Dennoch – oder gerade deshalb – richtet die Übung ihren Fokus auf die Inschriften der römischen Republik. Gemeinsam erkunden wir anhand ausgewählter Beispiele (u. a. Kalender, Weih- und Grabinschriften, Senatsbeschlüsse etc.) methodische Ansätze der Epigraphik und diskutieren über die historischen Erkenntnismöglichkeiten, die Inschriften eröffnen. 

    Lateinkenntnisse sind für die Teilnahme an der Übung keine Voraussetzung, mögen im ein oder anderen Fall aber hilfreich sein. 

    • Katharina Fritsch: Geld regiert die Welt – Münzen als Medium kaiserlicher Selbstdarstellung

    Münzen, oft als ‚Massenmedium der Antike‘ bezeichnet, scheinen als Träger von Schrift und Bild sowie aufgrund des hohen Verbreitungsgrades das ideale Instrument gewesen zu sein, um Botschaften der kaiserlichen Selbstdarstellung in das gesamte Imperium Romanum zu tragen.

    In der Übung stellen wir diese weit verbreitete Annahme der Funktion römischer Münzbilder als Propagandamedium auf den Prüfstand. Neben einer grundlegenden Einführung in die römische Numismatik, dienen uns die Reichsprägungen der julisch-claudischen Dynastie als Untersuchungsgegenstand. Dabei wird ermittelt werden, inwiefern man eine ideologische Ausrichtung der Münzprägungen einzelner Kaiser fassen kann, und ob sich an Vorgängern orientiert oder neue Akzente gesetzt wurden.

    Gleichermaßen wenden wir uns zentralen Fragen der numismatischen Forschung hinsichtlich der Funktion und Wahrnehmung von Münzen und Münzbildern zu, wie: Wer war überhaupt für die Prägung der Münzen und deren Inhalte zuständig? Waren die Inhalte der Münzbilder an bestimmte Zielgruppen ausgerichtet?  Und wer kam eigentlich in Kontakt mit neu ausgegebenen Münzen? 

    • Nils Fischer/Wolfgang Will : Athen im 4. Und 3. Jh. v. Chr

    Wie viele Griechen hatten auch die Athener eine Schwäche für „goldene Zeitalter“, also für den Glauben, dass in früheren Zeiten alles besser gewesen sei. Schon in der Antike setzte sich daher die Auffassung durch, dass das „goldene“ Athen als „Schule von Hellas“ mit seiner freien Demokratie und der Hegemonie im Seebund durch die Niederlage im Peloponnesischen Krieg 404 v.Chr. unwiederbringlich zugrunde gegangen sei. 

    Diese Sichtweise bedarf jedoch einer kritischen Revision: Tatsächlich erlebte die Stadt in spätklassischer und hellenistischer Zeit eine neue Blüte. Die Übung nimmt daher die Entwicklung der Stadt nach dem vermeintlichen „Zusammenbruch“ in den Blick und untersucht, inwiefern die demokratischen Institutionen fortgeführt wurden, wie sich das städtische Leben veränderte und mit welchen Strategien sich die Athener in Zeiten außenpolitischer Unsicherheit zu behaupten versuchten. 

    Die Übung eröffnet die Möglichkeit, einen fachgerechten Umgang mit antikem Quellenmaterial zu erlernen, und bietet dabei insbesondere einen Einblick in die Arbeitsweise mit epigraphischen und numismatischen Quellen

    • Imogen Herrad: Hausfrau und Weberin, Marktfrau und Unternehmerin: Frauen in der römischen Wirtschaft

    Die ideal(isiert)e römische matrona war vor allem ehrbare, treue und fügsame Ehefrau und Mutter, die sittsam am häuslichen Herd saß und möglichst selten das Haus verließ. Die Realität sah anders aus. Viele Frauen aus allen Schichten in römischen Städten gingen bezahlter und unbezahlter Arbeit nach. Sklavinnen und freigelassene Frauen arbeiteten im hauswirtschaftlichen Bereich, im Unterhaltungsmilieu und der Gastronomie. Es gab freigelassene und frei geborene Marktfrauen und (Klein-) Händlerinnen aller Art, Frauen im Handwerk und in der Finanzwelt; Werkstattbesitzerinnen und in großen Betrieben angestellte, vermutlich freigelassene Werkstattleiterinnen: beispielsweise Valeria Nike oder Cassia Doris, die im 2. Jhd. u.Z. in einer großen Ziegelei als officinatrix arbeiteten. Wohlhabende Frauen bis hinauf in die Kaiserfamilie waren geschäftlich aktiv: so die spanische Öl- und Weinhändlerin Coelia Mascellina; oder Cornificia, eine Tochter Kaiser Mark Aurels, und Lucilla, die Frau des Kaisers Lucius Verus, die beide Ziegeleien besaßen. 

    Anhand einer Reihe von Fallbeispielen werden wir in der Übung den sehr unterschiedlichen sozialen, rechtlichen und ökonomischen Status wirtschaftlich aktiver Frauen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten untersuchen und uns u.a. mit den folgende Fragen befassen: Inwieweit wurden diese Tätigkeiten freiwillig oder unfreiwillig ausgeübt? Waren sie – wie in modernen Gesellschaften – Teil der Identität der jeweiligen Frauen? Wie entwickelte sich die Geschäftsfähigkeit römischer Frauen – bzw. wie und warum konnten freie und sogar unfreie Frauen in Rom trotz eingeschränkter Geschäftsfähigkeit wirtschaftlich aktiv sein? In welchem Maße beeinflusst einerseits antike und andererseits moderne Konstruktionen von sozialen und Geschlechtsidentitäten das römische Frauenbild? Die Bereitschaft zur Lektüre englischsprachiger Texte wird vorausgesetzt.

    • Christian Michels: Römische Grabdenkmäler

    Im Mittelpunkt der Übung steht das römische Bestattungswesen, wobei der Schwerpunkt auf den materiellen Hinterlassenschaften und den auf ihnen erhaltenen Inschriften und ihrem Bildschmuck liegt. Ihre besondere Bedeutung gewinnnen die verschiedenen Grabmäler dadurch, dass sie jenseits der individuellen Memoria Einblicke verschiedensten Art in Gesellschaft, Militär und Politik erlauben. Denn die Grabbauten und -monumente der verschiedenen Schichten dienten auch der Selbstdarstellung der Verstorbenen und ihrer Familien gegenüber einer breiten Öffentlichkeit. Dies galt grundsätzlich für den Handwerker oder Auxiliarsoldaten ebenso wie für männliche und weiblich Mitglieder des Kaiserhauses. Der von der Übung behandelte Zeitrahmen reicht von der Späten Republik bis in die mittlere Kaiserzeit.

    • Rüdiger Kinsky: Geschlossene Gesellschaften: Die Hetairien im Athen des 5. Jhs. Ante

    Bei den Hetairien im - demokratischen - Athen des 5. Jh.s v. Chr. handelte es sich um clubartig organisierte, in der Regel fünf bis zwanzig Mitglieder zählende Vereinigungen Gleichgesinnter und -gestimmter, deren Gleichgesinntheit und -gestimmtheit zumeist dem elitaristisch grundierten und kultivierten Nein zum „herrschenden politischen System“ und einem Überlegenheitsbewusstsein entsprang, das konsequent machte, von sich selbst sehr viel, von der Masse der Politen hingegen, die da nun alle mitreden und -entscheiden durften, sehr wenig zu halten. Dieses Überlegenheitsbewusstsein musste den Gesellen der geschlossenen Gesellschaften, die solche Hetairien darstellten, noch nicht aufdrängen, sie als „politische Kampfgruppen“ zu konstituieren und das Ziel zu verfolgen, die demokratische Ordnung Athens zu unterminieren und in eine oligarchische zu transformieren. Man konnte es durchaus in einer exklusiven „Kamerad-“ resp. „Genossenschaft“ des Typs Hetairie dabei belassen, die Clubaktivitäten darauf zu beschränken, im kleinen erlesenen Kreis entweder das seinen Angehörigen eignende „Pathos der Distanz“ (Friedrich Nietzsche) weinselig und ruhmredig zu preisen und die Demokratie als Ochlokratie zu medisieren oder - sei es unter, sei es ohne Weinzufuhr - Strategien zu entwickeln, die der Gewinnung von Einfluss der „Clubberer“ auf die Gerichte und politischen Organe galten. Das Gros der Hetairien freilich beließ es nicht dabei, sondern agierte im Format „politischer Kampfgruppen“, deren schwer konspirations- und konjurationsaffine elitär-edle Streiter, zumal in der Endphase des Peloponnesischen Krieges (431-404), sich „als Vorkämpfer der oligarchischen Opposition“ (Fritz Gschnitzer) verstanden und nicht zimperlich in der Wahl der Mittel waren, um einen „regime change“ zu erkämpfen. Der „Staatsstreich“ von 411 und die Herrschaft der dreißig Tyrannen (404/3) belegen es. Dass die Hetairien, die für den einen wie die andere verantwortlich waren, ihr Ziel, ein oligarchisches System dauerhaft zu etablieren, nicht erreichten und die attische Demokratie sich behauptete, dispensiert Historiker nicht davon, sich mit der Frage zu befassen, was es mit dem Hetairie-Phänomen auf sich und wie man es zu erklären hat. Die Übung wird sich mit dieser Frage befassen, und es wird sich erweisen, dass es für Historiker epistemisch sehr lohnend ist, sich mit ihr zu befassen.

    • Jan-Markus Kötter: Kirchengeschichte, Breviarien, Chroniken u. a. – Formen spätantiker Historiographie

    Ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. unterlagen die etablierten Formen antiker Geschichtsschreibung einer ganzen Reihe von Transformationsprozessen. Zu nennen sind insb. die Christianisierung bekannter Gattungstraditionen, die zunehmende Tendenz, längere Werke in kürzere Überblicke zu überführen, sowie die Entstehung ganz neuer Gattungen, wie etwa der Chronistik. Durch die Lektüre exemplarischer Quellenausschnitte werden wir diese vielfältigen Formen spätantiker Historiographie kennenlernen, wobei ein gewisser Schwerpunkt auf der Chronistik liegen wird. Dabei widmen wir uns den Fragen, welche sozialen, politischen und kulturellen Faktoren die genannten Veränderungen beeinflussten – und wie wir als Historikerinnen und Historiker mit diesem spezifischen Quellenmaterial umgehen sollten. 

    • Jan Timmer: Unsicherheit

      Unsicherheit ist eine der Grundlagen menschlicher Existenz. Stets bieten sich einem Akteur mehr Möglichkeiten, als realisiert werden können, nie kann er sicher sein, daß sich die Zukunft so entwickeln wird, wie er es erwartet. Selektionszwang und Enttäuschungsgefahr sind dementsprechend allgegenwärtig. Um unter diesen Bedingungen Handeln möglich zu machen, muß Unsicherheit verarbeitet werden. Die Möglichkeiten sind zahlreich und reichen von divinatorischen Praktiken, mit denen in Erfahrung gebracht werden soll, welche Zukunft eintreten wird, bis zum Versuch, die Menge möglicher Zukünfte durch Planung zu beschränken. In der Veranstaltung sollen verschiedene Formen untersucht werden, mit denen die Römer in Republik und Kaiserzeit versuchten, mit Unsicherheit umzugehen.

    Lehrveranstaltungen vergangener Semester

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